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Bildungspolitischer Diskussionsabend der JU Rheinböllen war voller Erfolg!

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Rheinböllen. Die Junge Union in Rheinböllen hatte unter ihren Vorsitzenden Marian Bracht und Christian Klein ein Kunststück vollbracht, das manchem Bildungspolitiker in Bund und Land das Leuchten in die Augen bringen würde: Ein hochkarätig besetztes Diskussionspodium, ein Saal voller junger Leute und ein aktuelles Thema. Das zeigt, dass es weit mehr engagierte junge Menschen innerhalb und außerhalb von politischen Organisationen gibt als die Boulevardpresse uns glauben machen will.

Auf dem Podium saßen Marian Bracht und Christian Klein, die gemeinsam die Sprecher der Jungen Union in Rheinböllen bilden. Dazwischen saßen der JU-Landesvorsitzende Martin Binder und - man höre und staune - gleich zwei hochkarätige Abgeordnete der CDU-Landtagsfraktion: Bettina Dickes, die neue bildungspolitische Sprecherin der CDU im Landtag, und Hans-Josef Bracht, Parlamentarischer Geschäftsführer der Landtags-CDU und gleichzeitig Vorsitzender der CDU im Rhein-Hunsrück-Kreis.



Nach der Begrüßung der Gäste auf dem Podium und den Gästen im Saal durch Marian Bracht ging es sofort zur Sache. Hans-Josef Bracht fuhr gleich schweres Geschütz auf, als der deutlich machte: "Demokratie muss erhalten bleiben, wenn Demokratie verschwindet, kommt Diktatur". Doch mit einem Blick in den überfüllten Saal konnte er beruhigt feststellen, dass er sich kaum Sorgen mache, wenn dieses Engagement der Jugendlichen erhalten bliebe.


Die Bedeutung der Bildungspolitik im Land Rheinland-Pfalz machte Hans-Josef Bracht deutlich, indem er darauf hinwies, dass fast keine Plenarsitzung in Mainz vergeht, ohne dass nicht eine Bildungsdiskussion stattgefunden hat. Und dann ging er mit der Regierung Kurt Beck deutlich ins Gericht.

"Zu viel Unterrichtsausfall, zu wenig Lehrer, zu schlechte PISA-Ergebnisse und zu wenig Förderung", lautete seine Mängelbilanz. Und dies bezog er nicht nur auf die allgemeinbildenden Schulen sondern "inzwischen auch auf die berufsbildenden Schulen".


Bettina Dickes erregte gleich zu Beginn ihrer Rede Erstaunen im Saal: "Ich habe die RealschulePlus wirklich nicht gewollt, aber jetzt, wo wir sie haben, sollten wir das Beste daraus machen!" Auf Nachfragen machte sie das später noch deutlicher: "Wir müssen die RealschulePlus jetzt so ausbauen, dass wir sie später positiv ausgestalten können."

Mit dieser ihrer Rede trug Bettina Dickes sicherlich sehr stark dazu bei, dass die Diskussion im fortlaufenden Abend sehr sachlich geführt wurde. Sie machte deutlich, dass derzeit kein Weg daran vorbeiführe, diese von der CDU mehr als ungeliebte Schule mit positiven Inhalten zu füllen. "Bis zur nächsten Landtagswahl wird es keine Hauptschule mehr geben, und danach - falls wir die Mehrheit hätten - werden wir keinen Schulträger finden, der sie wieder einführen würde."

Diese Aussagen überraschten die anwesenden Jugendlichen sichtlich, denn Bettina Dickes machte auf diese Weise deutlich, wie die Rechtslage heute ist und wie sie auch bei einem eventuell künftigen Regierungswechsel sein würde. Insofern verlagerte sich die spätere Diskussion sehr stark auf die anderen von Hans-Josef Bracht angesprochenen Gesichtspunkte in der Mängelbilanz der Regierung von Kurt Beck.


Christian Klein nahm seinen Redebeitrag zum Anlass, kurz auf die Arbeit der Jungen Union in Rheinböllen hinzuweisen: "Es ist ein rasanter Zuwachs mit inzwischen 112 Mitgliedern zu verzeichnen." Doch auch Christian Klein blieb Realist: "Wir wollen nicht indoktrinieren, wenn jemand nach drei Jahren aus der JU aussteigt, ist er zumindest politisiert, ihm ist dieses Land dann nicht mehr egal", und das ist eine Erkenntnis, die manchem gestandenen Politiker in Berlin und Mainz gut zu Gesicht stände!



Martin Binder, der Landesvorsitzende der JU in Rheinland-Pfalz, brachte wieder eine gewisse Schärfe in die Diskussion hinein, die aber bei Bettina Dickes auf dezenten Widerspruch stieß. "Ich sehe die Gefahr, dass das Niveau der RealschulePlus sinken wird. Und die nächste Regierung - falls sie immer noch SPD-geführt sein sollte - wird dies zum Anlass nehmen, eine Einheitsschule einzuführen, weil das Niveau der RealschulePlus gesunken sei", machte er seinen Standpunkt deutlich.


Eine klare Ansage kam aus dem Publikum: "Was ist das Plus an RealschulePlus? Realschule plus Hauptschule!" Aber auch: "Das ist eine Worthülse ohne Inhalt!" Böse Worte, die Regierende eigentlich zum Nachdenken anregen sollten.

Bettina Dickes machte dabei aber noch einmal deutlich, dass sie selbst die RealschulePlus nicht schlecht reden wolle, damit diese Schulform, mit der man ja jetzt leider leben müsse, nicht wie die Hauptschule ebenfall kaputt geredet würde. Der Widerspruch konnte auch in der später geführten Diskussion nicht auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.


Zu Recht wies Martin Binder in seinem Beitrag auch darauf hin, dass es eine politische Frage sei, wer letztendlich entscheiden darf, wer auf welche Schule gehen soll und eine entsprechende Emfpehlung bekommt. "Ich plädiere für die Lehrer, weil die ihre Kinder über mehrere Jahre kennen gelernt haben", lautete seine Kernaussage.

"Eltern brauchen Aufklärung über die Durchlässigkeit des Schulsystems, sie müssen darüber informiert werden", warf Bettina Dickes in die Diskussion ein und wies darauf hin, dass rund ein Viertel aller Schüler auf der falschen Schule sei. "Wie kommen wir an die Eltern ran", fragte sie, ohne auf eine Antwort zu hoffen.


Auch Hans-Josef Bracht verschärfte noch einmal den Ton der Diskussion: "Es kann nicht angehen, dass ein Hauptschüler, der bisher keinen Hauptschulabschluss geschafft hat, jetzt auf die Realschule kommt", dazu forderte er noch: "Jedes Kind, das eingeschult wird, sollte Deutsch können".

Das Elitedenken kam dann wiederum bei Martin Binder zum Tragen, der deutlich machte: "Man muss sich bei Bildung nicht immer nur an Unten orientieren". Er forderte, dass man sich bei schulischen Leistungen eher nach Oben richten müsse, wenn Bildung wieder einen Wert haben solle.


Im Anschluss an die Podiumsdiskussion schloss sich eine Diskussion mit den Jugendlichen im Saal an. Es muss einigen Schulleitern und Lehrern in den Ohren geklingelt haben, als die Mängel in die Diskussion geworfen wurden. Schulleiter, die T-Shirts für die Abschlussfeier zensieren, Unterrichtsausfall ohne Ende, Abwerbung von Lehrern und viele andere Punkte mehr, die den Unmut der Jugendlichen mit dem derzeitigen System Schulbildung deutlich machten.

Martin Binder musste auf Nachfragen von Jugendlichen ("Wo ist das bildungspolitische Niveau der CDU?") zugeben: "Wir müssen uns CDU-intern erst einmal selbst klar werden, was wir wollen. Aber dann muss die CDU im Land mit einer Stimme reden!" Er drückte damit aus, dass demokratische Parteien erst einen internen Diskussionsprozess durchlaufen müssen, bevor etwas als Meinung der Partei nach außen gebracht werden soll. Dies traf absolut die Zustimmung der versammelten Jugendlichen. Bettina Dickes und Hans-Josef Bracht waren sich auch einig: "Die Diskussion ist noch im Gang!".


Als der Unmut eines Schülers gar zu deutlich geäußert wurde, kam eine erwachsene Stimme aus dem Hintergrund: "Besetzt doch mal das Büro des Rektors", unter dem zustimmenden Gelächter der Jugendlichen fügte er hinzu: "Gebrauchsanweisung gibt's bei mir!"



Hier kam die bildungspolitische Sprecherin zum Zuge, die darauf hinwies, dass in Rheinland-Pfalz auf einen Schulpsychologen rund 16.000 Schüler kämen ... es wurde nicht ganz deutlich, ob sie einen Zusammenhang mit der Bürobesetzung herstellen wollte ...


Verbandsbürgermeister Franz-Josef Lauer als Gast des Abends sprach aus, was viele auch als Schlussworte der Diskussion verstanden: "Es war eine gute Diskussion. Ich stelle fest, der Anspruch auf Bildung scheint nicht beachtet zu werden!"


Quelle: www.mehr-hunsrueck.de

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